Er trägt das Kolping-Gen seit 53 Jahren

Er trägt das Kolping-Gen seit 53 Jahren

Gerhard Alfranseder hört als Diözesanvorsitzender auf – Schluss mit Kolping ist jedoch nicht

Von Johanna Richter
Marktl.

Unterstützen und vernetzen, das war für Gerhard Alfranseder 53 Jahre lang der Antrieb, sich für Kolping zu engagieren. Und das ist es noch. Auch wenn der 67-jährige Marktler Ende Februar sein Amt als Diözesanvorsitzender in jüngere Hände gelegt hat, bleibt er den Leitmotiven Adolf Kolpings weiterhin treu.
„Warum ich zu Kolping gegangen bin? Das ist einfach“, erinnert sich der Marktler. 14 Jahre alt sei er gewesen. Auch damals schon hatte die Kolpingsfamilie Marktl eine „super Jugendgruppe“. „Ich wollte raus, etwas erleben. Kolping war erlaubt. Da durfte ich hin.“ Schnell sei er in die Gruppe integriert worden, ältere Mitglieder hätten ihn gefördert. „Das Kolping-Gen war geweckt“, erzählt Alfranseder. Mit 22 Jahren übernahm er den Vorsitz der Kolpingsfamilie Marktl. 35 Jahre lang leitete er – der 50 Jahre hauptberuflich Elektromeister bei Wacker war – die Geschicke des Zweigvereins. Vor allem die Jugendarbeit und die Erwachsenenbildung lagen ihm am Herzen. In dieser Zeit machte er den Marktler Zweigverein zum mitgliederstärksten in der Diözese. Das ist er bis heute. Von 1979 bis 1984 war Alfranseder außerdem Diözesanleiter der Kolpingjugend.
„Ich bin ein sozial eingestellter Mensch“, so Alfranseder. Darum habe er sich mit den Motiven Adolf Kolpings gut identifizieren können. „Kolping hat viele gute Dinge getan.“ So gründete der Priester aus Köln (8. Dezember 1813 bis 4. Dezember 1865) unter anderem Gesellenvereine und Gesellenhäuser, unterstützte die Gesellen, vernetzte sie untereinander und beschäftigte sich mit der sozialen Frage.
Vernetzen und unterstützen; das tat auch Alfranseder als Diözesanvorsitzender. „Die einzelnen Kolpingsfamilien in der Diözese sind autark“, erklärt der Marktler. Darum sei es auch etwas völlig anderes gewesen, ein Diözesanvorsitzender zu sein als der Vorsitzende einer Kolpingsfamilie. Alfranseder verstand sich als Dienstleister, bot Dinge wie Schulungen, Familienwochenenden oder Oasentage an, die die kleinen Zweigvereine alleine nicht leisten können. Er schuf Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Austausch. Dass das gut ankam und die Mitglieder ansprach, zeigt, dass der Diözesanverband Passau steigende Mitgliedszahlen verzeichnet.
Nach zwölf Jahren an der Spitze entschied Alfranseder nun aber, dass Schluss ist. Er stellte sich nicht erneut zur Wahl und übergab das Amt bei der Diözseanversammlung Ende Februar an Stephan Kroneder von der Kolpingsfamilie Vilshofen.
Ganz vorbei mit Kolping ist es jedoch nicht. „Als Ehrenvorsitzender der Kolpingsfamilie Marktl darf ich immer noch mitmischen“, sagt er. Und auch im Diözesanvorstand ist er weiter vertreten. „In zweiter Reihe“, erklärt der Marktler. Er werde sich nun um das Thema „Eine Welt“ kümmern und Projekte vorrangig in Uruguay und Malawi unterstützen. „Ich habe lange überlegt, ob ich das machen soll“, erzählt der 67-Jährige. Weil er aber bereits häufig in Uruguay war, seine Schwiegertochter aus Uruguay stammt und er mit dem Land und der dortigen Kolpingsfamilie sehr verbunden ist, hatte er zugesagt.
Nun wird Alfranseder, das Geld, das bei den Kolping-Projekten wie dem Fastenessen oder der Altkleidersammlung zusammenkommt, verwalten. Er wird prüfen, welchen Projekten es in den Ländern zukommen kann, sich mit der Entwicklungszentrale in Köln kurzschließen und mit den Kolpingsfamilien vor Ort. Alle fünf Jahre finden Projektreisen in die fernen Länder statt.
Im Rückblick waren es auch die Austausche und Projekte im Ausland, die dem ehemaligen Vorsitzenden am besten in Erinnerung geblieben sind, zum Beispiel als im Herbst 2018 zwölf Jugendliche in der Diözese waren. „Der Kulturaustausch war immer ein Höhepunkt“, sagt Alfranseder.
Für seine jahrzehntelange Arbeit, sein Engagement in der Kirchenverwaltung und im Marktgemeinderat – dem Gremium gehörte der vierfache Familienvater von 1984 bis 2002 an – hat er 2013 auch die Verdienstmedaille der Gemeinde Marktl bekommen. Die Begründung damals: „Alfranseder ist aus der Gemeinde und der Pfarrei nicht wegzudenken.“ Das ist eine Aussage, die bis heute gilt.

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